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Physiotherapie bei Kopfschmerzen: Wenn Verspannungen der eigentliche Auslöser sind

· 7 Min. Lesezeit

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden weltweit. Ein großer Teil der Bevölkerung hat gelegentlich Kopfschmerzen, ein kleiner Teil chronisch, also an mehr als 15 Tagen im Monat. Viele greifen bei Kopfschmerzen zur Schmerztablette, was kurzfristig hilft, langfristig aber das Problem verstärken kann (Analgetika-induzierter Kopfschmerz). Bei zwei häufigen Kopfschmerzformen, dem Spannungskopfschmerz und dem zervikogenen Kopfschmerz, kann Physiotherapie an den Ursachen ansetzen statt nur die Symptome zu dämpfen.

Die drei wichtigsten primären Kopfschmerzarten

Spannungskopfschmerz (TTH): Die häufigste Form. Dumpfer, drückender, nicht pulsierender Schmerz, beidseitig, wie ein Band um den Kopf. Leichte bis mittlere Intensität. Entsteht durch Verspannungen der Nacken-, Schulter- und Kaumuskulatur sowie durch Stress.

Migräne: Meist einseitiger, pochender, starker Schmerz, begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Neurologischer Ursprung. Physiotherapie kann ergänzend wirken, ist aber nicht die Primärtherapie.

Zervikogener Kopfschmerz: Hat seinen Ursprung eindeutig in Strukturen der Halswirbelsäule (C0–C3). Schmerz beginnt im Nacken und strahlt in Kopf aus. Einseitig, nicht wechselseitig. Wird durch Kopfbewegungen ausgelöst oder verschlimmert. Sehr gut physiotherapeutisch behandelbar.

Physiotherapie beim Spannungskopfschmerz

Die Verbindung zwischen Nacken und Kopfschmerz ist anatomisch begründet: Der Nervus suboccipitalis und die ersten drei Zervikalnerven versorgen sowohl die Nackenstrukturen als auch Teile der Kopfhaut. Chronische Verspannungen der tiefen Nackenmuskulatur (M. rectus capitis posterior, M. obliquus capitis) übertragen Schmerzreize auf den Kopf.

Physiotherapeutische Behandlung des Spannungskopfschmerzes umfasst: Triggerpunkttherapie an der Nacken- und Schultermuskulatur, Manuelle Therapie der HWS-Gelenke C0/C1 und C1/C2, Entspannungstechniken (progressive Muskelentspannung), Haltungskorrektur und Kräftigung der tiefen Halsflexoren sowie Biofeedback-Training.

Physiotherapie beim zervikogenen Kopfschmerz

Der zervikogene Kopfschmerz ist eine von Physiotherapie direkt behandelbare Form. Gezielte Manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule kann die Beschwerden deutlich lindern. Die Behandlung richtet sich auf die Segmente C0–C3: Mobilisation und Manipulation der Okzipitoatlantal- und Atlasaxialgelenke, Behandlung der kurzen Nackenstrecker und Trainingsprogramme für die tiefen Halsflexoren.

Analgetika-induzierter Kopfschmerz: eine unterschätzte Gefahr

Schmerzmittel an mehr als 10–15 Tagen im Monat können selbst einen Dauerkopfschmerz auslösen. Das Gehirn gewöhnt sich an die Schmerzunterdrückung und reagiert mit Rückschlags-Kopfschmerz, sobald der Spiegel sinkt. Physiotherapie bietet hier einen Ausweg: Indem die Ursache behandelt wird, sinkt die Notwendigkeit für Schmerzmittel.

Unterschiede Physiotherapie vs. Medikamente bei Kopfschmerz

  • Physiotherapie: Wirkt ursächlich, keine Nebenwirkungen, langfristig nachhaltiger
  • Schmerzmittel: Schnelle Wirkung, überdecken Ursache, Gefahr der Chronifizierung bei häufigem Einsatz
  • Kombination: Oft sinnvoll, Schmerzmittel in der Akutphase, Physiotherapie für Langzeitlösung

Häufige Fragen zu Kopfschmerzen und Physiotherapie

Wie erkenne ich, ob meine Kopfschmerzen physiotherapeutisch behandelbar sind?

Gute Hinweise: Kopfschmerz beginnt im Nacken, wird durch Kopfbewegungen ausgelöst, ist einseitig, geht mit Nackenschmerzen oder -steifigkeit einher. Beim ersten Termin führt der Therapeut eine differenzialdiagnostische Befundaufnahme durch.

Bei welchen Kopfschmerzen muss ich sofort zum Arzt?

Sofort: plötzlicher stärkster Kopfschmerz (Donnerschlag-Kopfschmerz), Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteifigkeit, Kopfschmerz mit neurologischen Ausfällen, Kopfschmerz nach Kopfverletzung, erstmals aufgetretener schwerer Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr.

Kopfschmerzen, die vom Nacken auszugehen scheinen? Rufen Sie an oder schreiben Sie uns. Wir schauen uns gern gemeinsam mit Ihnen an, was infrage kommt. Termin vereinbaren →

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Hinweis: Dieser Text ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Ob eine Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll und verordnungsfähig ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

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